Dossenheims geschichtliche Entwicklung

Eine kurze Geschichte von Dossenheim
Von der Steinzeit bis zur Schwelle des dritten Jahrtausends
Von Christian Burkhart

Vor- und Frühgeschichte

Vor- und Frühgeschichte

Die frühesten bislang auf Dossenheimer Gemarkung entdeckten Spuren menschlichen Lebens reichen bis in die Altsteinzeit zurück. Erste Siedlungsreste in Form einfacher Wohngruben stammen aus der Jungsteinzeit. Ein sog. Hockergrab, wie es für die bandkeramische Kultur typisch war, trat bei Bauarbeiten im Gewann "Rohräcker" zutage.
Schon 1860 wurde im Steinbruch unterhalb der Ruine Schauenburg ein 26-teiliger Bronzedepotfund der Urnenfelderkultur geborgen, welcher noch heute in der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe ausgestellt ist.
Auch Kelten und Römer waren hier einmal ansässig, wie ein für den ganzen Rhein-Neckar-Raum produzierender latènezeitlicher Mahlsteinwerkplatz auf dem Areal der evangelischen Kirche sowie Reste je einer römischen "villa rustica" in den Gewannen "Grünheck" und "Mörtelgrube" belegen.

Frühes Mittelalter

Frühes Mittelalter

Im "Breiten Wingert" und im "Silber", westlich der sog. "Silbershohl", befand sich das merowingische Reihengräberfeld mit geosteten und teilweise mit Beigaben versehenen Körpergräbern des 5. bis 8. Jahrhunderts. Erwähnenswert sind hier insbesondere die um 530 bzw. 720 n.Chr. datierten Bestattungen mit dem nach steppennomadisch-hunnischer Sitte künstlich deformierten "Dossenheimer Schädel" einer über 70 Jahre alten Dame sowie dem Schädel eines mit etwa 30 Jahren im Kampf erschlagenen fränkischen Reiterkriegers, von denen sich Kopien im örtlichen Heimatmuseum befinden.
Der Ortsname "Dossenheim" dürfte von der Baumbezeichnung "Dose/Dosse" für Kiefer/Föhre herzuleiten sein, wie sie sich in dem Flurnamen "Dosenwald" (heute Name der zu Dossenheim gehörenden Siedlung westlich der Bundesstraße 3) erhalten hat. Nach der Wortendung "-heim" zu schließen, schon zur Zeit der alamannisch-fränkischen Landnahme im 4./5. Jahrhundert am Westrand des Odenwaldes, auf dem fruchtbaren Schwemmkegel am Ausfluß des Mühlbachs in die Ebene gegründet, tritt das Bergstraßendorf mit seiner ersten schriftlichen Erwähnung in einer Urkunde des Klosters Lorsch, die im "Codex Laureshamensis" überliefert ist, am 28. Mai 766 in die Geschichte ein.
Der bei dieser Gelegenheit dokumentierte Verkauf eines Weinberges an die Benediktinermönche ist zugleich der erste Beleg für die lange Weinbautradition des Ortes, deren Erzeugnisse zu den besten des Nazarius-Klosters zählten, so daß der Lorscher Chronist den späteren Verlust der Dossenheimer Weingärten bitter beklagt. 794 und 820 schenken Vertreter des wohlhabenden fränkischen Adels ihre am Ort gelegenen Kirchen ("basilica" bzw. "ecclesia") dem 882 zur Reichsabtei erhobenen Kloster an der Weschnitz, das inzwischen zum bedeutendsten Grundherrn in Dossenheim aufgestiegen war.

Hoch- und Spätmittelalter

Hoch- und Spätmittelalter

An mittelalterlichen Wehr- und Wohnbauten, deren Ruinen man auf den Hügeln östlich des Ortes findet, sind das ahistorisch "Kronenburg" genannte "alte Schlössel" über dem Mühltal - eine in einen (ottonischen?) Ringwall hineingesetzte Turmburg des 11./12. Jahrhunderts, ein am Hohen-Nistler-Ausläufer "Wal(d)sberg" gelegener, nur leicht befestigter Turmhof des 14./15. Jahrhunderts, sowie vor allem die über einer älteren Turmburg errichtete Bergfried-Schildmaueranlage der das Kalkofental beherrschende Schauenburg am Ölberg hervorzuheben. Ihre Reste werden seit 1982 von engagierten Burgenfreunden aus Dossenheim und Umgebung unter Mitwirkung der Außenstelle Karlsruhe des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg gesichert.
Sie war einst Sitz der 1130 erstmals bezeugten Edlen von Wolfsölden-Schauenburg, die von hier aus über Dossenheim herrschten und die auch in den südlichen Nachbarorten Handschuhsheim und Neuenheim über Güter und Rechte verfügten. Nach ihrem Aussterben um 1280 wurden Burg und Länderein 1303 von den Erben an die Heidelberger Pfalzgrafen verkauft. Unter maßgeblicher Beteiligung König Ludwigs des Bayern aus dem Hause Wittelsbach kam 1319 alles an den Mainzer Erzbischof, der die Vogtei Schauenburg aus Geldnot lange Jahre an die wohlhabenden Ritter von Handschuhsheim verpfändete. Seitdem steter Zankapfel zwischen den aufstrebenden Territorialmächten Kurpfalz und Kurmainz, wurden Dossenheim und die Burg im Krieg von 1460 durch Kurfürst Friedrich "den Siegreichen" gewaltsam zerstört.
Unter dem neuen Landesherrn, der die ihm pfandweise abgetretene Mainzer Exklave vor den Toren Heidelbergs seinem Territorium einverleibte, erhielt Dossenheim im Zuge des fortschreitenden Ausbaus der kurfürstlichen Verwaltung 1475 ein einheitliches Ortsgericht, das in seinem Siegel als bis auf den heutigen Tag unverändertes Ortswappen drei Trauben an einer Ranke mit vier Blättern führte. Als Teil der Verwaltungseinheit "Cent Schriesheim" gehörte die Gemeinde während der Pfälzer Zeit zum Oberamt Heidelberg. Erst 1714 erfolgte der endgültige Verzicht des Mainzer Erzbistums.

Frühe Neuzeit

Frühe Neuzeit

Erstmals 1528 erscheint das Dorf Dossenheim als "Thussenheim" in einem von dem damals an der Heidelberger Universität lehrenden Hebraisten und Kartographen Sebastian Münster (1488-1552) gefertigten Landkärtchen der Region.
Im 16., vor allem aber im 17. Jahrhundert wurde Dossenheim, wie viele Nachbargemeinden auch, immer dann von Not und Zerstörung heimgesucht, wenn feindliche Heere entlang der Bergstraße gegen Heidelberg vorrückten. Während des Landshuter Erbfolgekriegs (1504) verwüsteten der Landgraf von Hessen und seine Verbündeten die Dörfer im Vorfeld der Residenzstadt, ohne daraus einen militärischen Nutzen zu ziehen.
Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-48), der mehrfach niederländisch-spanische, schwedische, kaiserliche und auch französische Truppen an die Bergstraße führte, wobei Übergriffe gegen Gut und Leben der Zivilbevölkerung an der Tagesordnung waren, kam es in Dossenheim insbesondere 1622 durch Tillys Bayern zu Plünderungen und Zerstörungen, als diese die Residenz des ins Ausland geflohenen "Winterkönigs" Friedrich V. angriffen. Nach dem Fall Heidelbergs wurde das Amt Schauenburg abermals für einige Jahre katholisch und kurmainzisch.
Im sog. "Bergsträßer Rezeß" von 1650, der den Verbleib bei der Kurpfalz regelte, wurde u.a. festgelegt, daß die im späten Mittelalter erbaute Dossenheimer Pfarrkirche St. Pankratius (vgl. Bauinschrift aus dem Jahr 1375 am Turm) von Katholiken und Reformierten gemeinsam als "Simultankirche" zu nutzen sei, ein Zustand, der bis zur Erbauung der neuen katholischen Kirche 1923/26 fortdauerte. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges lebten im Gebiet der Cent Schriesheim (s.o.), nur noch 20 % der Vorkriegsbevölkerung, und der uralte Weinbau sollte nie wieder die wirtschaftliche Bedeutung erhalten, die er bis dahin gehabt hatte.
Auch in den Kriegen, die der französische "Sonnenkönig" Louis XIV. dann im späten 17. Jahrhundert gegen die Pfalz führte, wurde Dossenheim mehrfach verwüstet und niedergebrannt. Nachdem im Jahr 1674, im Verlauf des sog. Holländischen Kriegs (1672-79), bei einem Einfall französischer Truppen unter Marschall Turenne das Rathaus und zahlreiche andere Gebäude am Ort ein Raub der Flammen geworden waren, wurden 1689 während des Pfälzer Erbfolgekriegs (sog. Orléans’scher Krieg, 1688-97) etliche Einwohner von Brigadegeneral Mélac als Geiseln weggeführt und ein Teil des geplünderten Ortes erneut angezündet. Im Jahr 1693 waren es dann abermals die Truppen Turennes, die Dossenheim verheerten, wobei diesmal insbesondere in der alten Kirche beträchtlicher Schaden entstand.

Das 18

Das 18. Jahrhundert

Nachdem einzelne ihrer alten Heimat schon vorher den Rücken gekehrt hatten, kam es Mitte des 18. Jahrhunderts aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Not vieler Menschen erstmals zu einer größeren Auswanderungsbewegung, vor allem nach Nordamerika. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte mit dem Bau der Landstraße Heidelberg-Weinheim um 1760 die Gewinnung des für diesen Zweck als Schotter begehrten Dossenheimer Quarzporphyrs ein, der von da an die Landwirtschaft als Erwerbsquelle immer weiter zurückdrängte.
In dem US-Diplomaten Thomas Jefferson (1743-1826), dem Hauptautor der amerikanischen Unabhägigkeitserklärung und späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten, der sich anläßlich seiner in Tagebuchform und Briefen überlieferten Rheinreise des Frühjahres 1788 auch für die in Dossenheim untergebrachte Angoraziegenzucht des Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor interessierte, kann das damals kaum mehr als 800 Einwohner zählende Bergstraßendorf einen — von letzteren allerdings scheinbar völlig unbemerkt gebliebenen — Gast von weltgeschichtlicher Bedeutung vorweisen.
Während der Koalitionskriege (1792-1807) hatte der Ort vor allem unter den zahlreichen Einquartierungen durchziehender Soldaten zu leiden. Nachdem am 22./23. September 1795 bei ersten Gefechten französischer gegen österreichische Verbände um Dossenheim das Dorf mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, kam es am 24. September 1795 auf den Feldern südlich und südwestlich des Ortes zur sog. "Schlacht bei Handschuhsheim" zwischen einer französischen Revolutionsarmee und kaiserlich-österreichischen Streitkräften, die letztere für sich entschieden. Am 30. Mai 1799 wurde ein Kontingent des Mainzer Landsturms bei Dossenheim von französischen Truppen geschlagen und der Ort in der Folgezeit gleich viermal geplündert.

Das 19

Das 19. Jahrhundert

Durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803, in dem die alte Kurpfalz aufgelöst wurde, kam auch Dossenheim an das Großherzogtum Baden, welches 1807 die hier noch immer bestehende Leibeigenschaft aufhob. Was der Kurpfalz nicht mehr gelungen war, nämlich eine Einschränkung der vielen Feiertage, an denen die Landbevölkerung nicht arbeitete, erreichte 1814 die neue Obrigkeit, indem sie das Verbot des traditionellen "Holzäpfeltanzes" durchsetzte. Erst 1922 wurde dieser alte Volksbrauch durch den damals unter maßgeblicher Beteiligung des Dossenheimer Volksschullehrers Peter Reinhard (1897-1927) neugegründeten Heimatverein wiederbelebt und ist heute, wie auch das sog. "Bannweidgericht" in die jeweils um den dritten Sonntag im September herum stattfindende "Dossema Kerwe" integriert.
Nachdem schon für 1297 ein Schultheiß und für 1753/67 eine Schultheißenwahl belegt sind, konnten die freien Bürger der Gemeinde unter der neuen Badischen Gemeindeordnung von 1831 dann im folgenden Jahr einen Bürgerausschuß wählen, dessen Mitglieder ihrerseits Bürgermeister und Gemeinderäte bestimmten. Während der Badischen Revolution von 1848/49 kam es am 21. Juni 1849 zwischen Handschuhsheim und Dossenheim zu einem Zusammenstoß revolutionärer Verbände und preußischer Truppen, welche später in den Ort einrückten und dort die demokratischer Gesinnung verdächtigen Bürger verhafteten. Abermals kam es zu einer größeren Auswanderungswelle nach Amerika.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts, das auch einen Aufschwung des Obst- und Tabakanbaus erlebte, wovon heute noch einige wenige im alten Ortskern erhaltene Tabakscheunen zeugen, entwickelten sich die Steinbrüche, in denen noch um die Jahrhundertwende Kinderarbeit trotz staatlichen Verbots an der Tagesordnung war, immer mehr zur Haupterwerbsquelle der Dossenheimer Bevölkerung. Mit zunehmender Bedeutung der Steinbruchindustrie wuchs auch die Zahl der Gewerbetreibenden am Ort.
Im Jahr 1885 wurde in dem damals noch an der Hauptstraße gelegenen Rathaus, welches im darauffolgenden Jahrzehnt als Verkehrshindernis auf dem Weg vom und zum Hauptbruch abgebrochen wurde, das erste Telefon installiert. Erst ab 1894 verloren die alten Dorfbrunnen entlang der Hauptstraße, von denen bis dahin die Wasserversorgung der Einwohnerschaft alleine abhing, durch die Einrichtung einer ersten modernen Wasserleitung ihre Funktion. Zur Bekämpfung der häufigen Scheunenbrände, die sich oft rasch auf umliegende Gebäude auszubreiten pflegten, wurde 1895 die Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen.

Das 20

Das 20. Jahrhundert

Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte 1904. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918), aus dem 145 Dossenheimer nicht mehr zurückkehrten, ließ sich erstmals ein praktischer Arzt auf Dauer am Ort nieder, der seine Patienten noch in einem der zahlreichen Dossenheimer Gasthäuser behandelte.
Um 1919/20 dienten die steil aufragenden und zerklüfteten Felswände der Dossenheimer Porphyrsteinbrüche an den Wochenenden zeitweise auch als wild-romantische Landschaftskulisse für Außenaufnahmen zu einigen von der frühen deutschen Filmindustrie in dem am Neckar gelegenen "Glashaus-Studio" bei Heidelberg-Schlierbach produzierten Stummfilm-Western wie "Der Wüstenadler" oder "Das Vermächtnis der Prärie", in denen der Ludwigshafener Industriellensohn Hermann Basler (1896-1982) die Rolle des gesetzlosen Revolverhelden "Bull Arizona" verkörperte.
Mit Beginn des Jahres 1925 wurde der vormals eigenständige, schon 763 in den Traditionen des Klosters Fulda erstmals erwähnte "Schwabenheimer Hof" eingemeindet. Etwa an der Stelle, wo im 13. Jahrhundert die vom Wormser Bistum zu Lehen gehende, später von den Fluten des Neckars zerstörte Niederungsburg "Schwabeck" gestanden hatte, wurde 1923-25 eine Schleusenanlage gebaut.
Brände in Schloß- und Hauptbruch, die 1926 bzw. 1929 die dortigen Werksanlagen vernichteten, führten damals zu einer Krise der Dossenheimer Steinbruchindustrie. Die Stillegung des Schloßbruchs und der Wiederaufbau moderner Anlagen in dem seit 1928 von der Firma Vatter gepachteten Hauptbruch führten zu einem starken Rückgang der Arbeiterzahl. Auch die "Steinbauern", die bislang für den Abtransport des gebrochenen Gesteins gesorgt hatten, waren durch die motorisierte Konkurrenz gezwungen, ihren Fuhrbetrieb einzustellen.
Während die Zahl der in den Porphyrbrüchen Beschäftigten zurückging, entstanden in der Zwischenkriegszeit mehrere Schreibwarenfabriken sowie eine Konservenfabrik, wo über Jahrzehnte nicht wenige Dossenheimer, zumeist Frauen, Arbeit fanden. Den Strukturwandel der siebziger und achtziger Jahre überstanden diese Betriebe jedoch nicht.
Während bei den Reichstagswahlen vom März 1933 nur 40,5 % der Wahlberechtigten für die NSDAP votierten (Reichsdurchschnitt 43,9%), erreichte Hitlers Politik im Plebiszit vom August 1934 in Dossenheim bereits eine Zustimmung von 92,2% (Reichsdurchschnitt nur 84,6%). Mit der Absetzung des ersten hauptamtlichen und letzten demokratisch gewählten Bürgermeisters begann gleich in den ersten Tagen des Dritten Reiches eine Säuberungsaktion, in deren Verlauf praktisch die gesamte Gemeindeverwaltung durch Parteileute ersetzt wurde.
Die Angehörigen der wenigen am Ort ansässigen jüdischen Familien wurden 1940, soweit sie nicht beim Einsetzen der Verfolgung noch in die USA ausgewandert waren, zusammen mit den Heidelberger Juden nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Von dort aus kamen sie später in den Osten, wo sie in den Konzentrationslagern Maidanek, Buchenwald und Auschwitz ermordet wurden.
Abgesehen von einem kleinen Feuergefecht bei Dossenheim am 29. März 1945 blieb der Ort von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs (1939-1945), der für ihn noch am gleichen Tag mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen zu Ende ging, weitgehend verschont, doch kamen 326 Männer nicht mehr von der Front zurück.
Der im Jahr 1939 rund 4300 Einwohner zählende Ort veränderte sich nach 1945 durch Zuzug von außen, darunter ein großer Anteil Kriegsflüchtlinge aus dem im Bombenkrieg zerstörten Mannheim und Heimatvertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten (über 1000 Personen).
1948 ernannte der Dossenheimer Gemeinderat den im gleichen Jahr zum Bischof von Tsingtao, dem Hauptort der chinesischen Provinz und ehemaligen deutschen Kolonie Kiautschou, geweihten, aus Dossenheim stammenden Missionar Augustin Olbert (1895-1964) zum ersten und bislang einzigen Ehrenbürger des Bergstraßenortes.
Durch die Ansiedlung mittelständischer Industriebetriebe sowie die Erschließung von Neubaugebieten im Norden, Süden und Westen des alten Dorfes entwickelte sich der Ort in den Nachkriegsjahrzehnten zunehmend zu einer der wohlhabendsten Wohngemeinden des Landkreises Heidelberg bzw. (seit 1973) Rhein-Neckar-Kreises. Die Anzahl der Selbständigen in Einzelhandel, Handwerk und Landwirtschaft ging dabei stark zurück.
1973/74 konnten sich Dossenheims Bürger, allen voran Bürgermeister Heinrich Schumacher (amt 1963-1979), über Partei- und Vereinsgrenzen hinweg mit Erfolg gegen die von der baden-württembergischen Landesregierung in Stuttgart geplante Eingemeindung nach Heidelberg zur Wehr setzen.
Die meisten Erwerbstätigen verdienen heute ihren Unterhalt als Pendler in der benachbarten Universitätsstadt Heidelberg. Besonders augenfällig wurde diese Entwicklung in den achtziger Jahren mit der Erschließung des großen Neubaugebiets Dossenheim-West, der Schließung des über 100 Jahre betriebenen Steinbruchs Leferenz und der symbolträchtigen Errichtung eines bronzenen Steinbrecherdenkmals auf dem Rathausplatz. Schon 1988 wurde die 10.000-Einwohnergrenze überschritten. Auch Familiengrößen und -strukturen haben sich inzwischen stark verändert. 1991 waren bereits 40% aller Haushalte sog. "Ein-Personen-Haushalte".
Ein besonderer Höhepunkt des Gemeindelebens war im Sommer 1966 die große Festwoche zur 1200-Jahrfeier der Ersterwähnung des Ortsnamens. Seit 1982 ist Dossenheim mit der südfranzösischen Gemeinde Le Grau du Roi, nahe Montpellier am Golfe du Lion gelegen, in einer "Jumelage" eng verbunden, deren Förderung im Geiste eines Vereinten Europa auch Ziel einer im Frühjahr 1995 anläßlich der Verabschiedung Bürgermeister Dengers (amt. 1979-1995) ins Leben gerufenen Partnerschafts-Stiftung ist.
Mit dem Landtagsabgeordneten Hans Lorenz wurde 1995 erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder ein Einheimischer zum Bürgermeister Dossenheims gewählt. Die schon in den 80er Jahren diskutierte, aber immer wieder aufgeschobene notwendige Sanierung des alten Rathauses, in dem seit 1978 das von Ludwig Hilsheimer (1906-1985) gegründete Heimatmuseum der Gemeinde Dossenehim untergebracht ist, wurde 1996 begonnen. Nach erfolgter Neukonzeption der Dauerausstellung zur Ortsgeschichte konnten erste Ausstellungsbereiche im Laufe des Jahres 1999 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.